Reifenwechsel bei einem Wohnmobil --- ist ganz einfach, oder doch ein Desaster ?!?
 

Ha, das kann ja so schwer nicht sein !

Dachte ich, unterstützte meine Überzeugung mit abwertender Geste, und erklärte vollmundig das alle Autos einen passenden Wagenheber haben. Also wie immer, Schrauben lösen, Auto hoch, Rad tauschen, etc... ganz simpel !

Iris schaute mich nur zweifelnd an.

An nächsten Nachmittag geht es los, auf zum Stellplatz, etwas Werkzeug ist im Staufach, der Wagenheber auch, nur schnell die Reifen in den PKW und los.
Nun, wie gesagt, Werkzeug und Wagenheber ausladen (der ist natürlich ganz hinten drin verstaut) und los geht's.

Ein Scherenwagenheber, nicht besonders groß, egal, wird schon passen !

An den Auflagerpunkt kommt man auch nicht so leicht, er befindet sich genau hinter dem Hinterrad.

Blöde Stelle !

Mitten in meinen Bemühungen kommt ein kleiner Kater zu Besuch und schaut mir interessiert zu.

also weiter, Radkappen lösen, die sind schon ziehmlich alt und spröde, und bekommen schnell Risse.

... dann den Schraubenschlüssel mit einem Rohr verlängern und die Radmuttern lösen.

Das ist so einfach, daß Iris auch mal eine lösen möchte ...

... schafft sie auch !

... dann mal eben das Auto hoch und das erste Rad ist gewechselt.

- mal eben - leider nein, der Wagenheber entpuppt sich als etwas schwächlich, die extrem lange Kurbelstange ist instabil.

genug Platz habe ich auch nicht, alles Sche...

Der Wagenheber knackt und knarzt, die Kurbel biegt sich, nur das Auto bewegt sich nicht nennenswert nach oben.

trotz aller Bemühungen verlässt der Reifen nicht den Boden, der Wagenheber ist einfach zu schwach. Die Kurbel ist krumm, meine Nerven arg angespannt und die gute Laune läßt auch stark nach.

Wie sich später herausstellt passt der Wagenheber zu dem Fahrgestell, ein Ford Transit Pritschenwagen.

Das Gewicht eines solchen Fahrzeugs ist mit 1700KG angegeben, unser Womo wiegt über 3 Tonnen. Beim verändern der Federn und Achsen hat wohl niemand an einen passenden Wagenheber gedacht.

Nun gut, auf zum nächsten Baumarkt einen hydraulischen Wagenheber kaufen, die sind preiswert und schaffen so einiges anzuheben.

Im Baumarkt angekommen finden wir auch sofort einen günstigen, kleinen und mit 2 Tonnen angegebenen Wagenheber.

Vienes 3 Tonnen gewicht auf 4 Räder verteilt sind so um die 750KG pro Rad, demnach sollte dieses kleine rote Wundergerät unser Womo mühelos hochheben können.

So, nun schnell zurück, die Reifen gewechselt und dann einen entspannten Abend genießen.

Ganz so schnell geht es dann doch nicht, der neue Wagenheber ist natürlich zerlegt und muß erst noch zusammengeschraubt werden.

Sehr viel größer wird er dadurch auch nicht, er reicht so gerade um das Auto hinten hoch zu heben, zwischen Reifen und Erde ist knapp ein Zentimeter Luft. Außerdem verliert er etwas Oel, die Vorderräder sind mit längeren Federn ausgestattet und verlassen den Boden nicht. Ich lege also mehrere Steinplatten unter den Wagenheber und schaffe so die nötige Höhe.
Nach dem dritten Rad ist die Halterung für die Stange verbogen, richten funktioniert nicht, also benutze ich einem großen Schraubendreher.

Das vierte Rad gibt dem Wagenheber dann endgültig den Rest, und unseren Nerven auch.

Nie wieder werde ich den Mund so voll nehmen, billiges Werkzeug kaufen und mir den Nachmittag und Abend versauen.